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Kommentar über die Kinder- und Jugendarmut im Tal
Handeln statt reden

Kommentar über die Kinder- und Jugendarmut im Tal: Handeln statt reden
Chefredakteur Hendrik Walder: "Wir müssen reden." FOTO: Osswald
Wuppertal. Wir müssen reden. Über einen Missstand, der die Stadt auf Sicht in einen Abwärtsstrudel ziehen wird. Es geht um die Armut unter Kindern und Jugendlichen. Von Hendrik Walder

Die Wuppertaler Tafel begeht mit der Gründung ihres Trägervereins de facto jetzt ihren 30. Geburtstag, denn von feiern kann keine Rede sein. Die Tafel, eine der ersten in Deutschland, zeigt, dass hier in Wuppertal, wo schon vor über 100 Jahren Kinder unter den wirtschaftlichen Gegebenheiten leiden mussten, soziale Not besonders ausgeprägt ist. An anderer Stelle in diesem Blatt finden Sie die Meldung, dass die Zahl der überschuldeten Haushalte in Wuppertal seit Jahren exorbitant hoch ist – in Deutschland gibt es nur eine Kommune, die einen noch höheren Prozentsatz aufzuweisen hat. Darunter sind zahlreiche Familien, vor allem aber auch Alleinerziehende mit Kindern, deren Nachwuchs von Anfang an unter prekären Umständen ins Leben starten muss.

Jedes dritte Wuppertaler Kind lebt von Hartz IV oder vergleichbaren Leistungen. Viele von ihnen kennen und brauchen die Angebote der Tafel, der Kindertafeln, viele ihrer Eltern kennen und brauchen die Unterstützung sozialer und kirchlicher Einrichtungen. Auch der Medienverein "WiN – Hilfe für Wuppertaler in Not" hat im letzten Jahr über 600 Kindern geholfen – so vielen wie nie zuvor. Vor diesem Hintergrund kam aus den Reihen seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter die Forderung, an dieser Stelle müssen endlich etwas geschehen. Man könne diese Kinder und ihre Familien nicht einfach tatenlos sich selbst überlassen. 

Natürlich mögen die soziodemografischen Verhältnisse in Wuppertal komplizierter sein als in vielen anderen Städten. Nichtsdestotrotz gelten hier wie dort die gleichen sozialgesetzlichen Regelungen. Doch da diese beiden Sachverhalte nun mal nicht lokal zu ändern sind, müssen Wege gefunden werden, wie man diese Kinder trotzdem "mitnehmen" kann. Wie man ihnen bessere Chancen bieten kann – auch im eigenen Interesse, und wenn es nur der Sicherung späterer Rentenzahlungen dient. Zum zehnjährigen Jubiläum der Junior Uni betonten viele Redner, wie wichtig es ist, in die Bildung der Kinder zu investieren. Denn letztlich ist sie die Basis für die Zukunft unseres Gemeinwesens. 

Vielleicht wird eine solche Erkenntnis gerade in einer Stadt wie Wuppertal besonders deutlich, trägt sie doch jenen Zündstoff in sich, der auch zu überaus unerwünschten Entwicklungen führen könnte. Und deswegen müssen wir nicht mehr nur reden, Statistiken ermitteln, Forderungen stellen. Sondern wir müssen selbst handeln. Müssen die Politik und die Politiker zum Handeln auffordern. Sie mit diesen Themen treiben und nicht mit grotesken Asyldebatten. Viele machen das schon jetzt. Doch – und das ist mein Wunsch für 2019 – es müssen noch mehr werden. 

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