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Kommentar zum Radfahren in Wuppertal
Abstimmung mit den Pedalen

Kommentar zum Radfahren in Wuppertal: Abstimmung mit den Pedalen
Rundschau-Redakteur Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Tausende Besucher bei der Bergischen Velo, rund 100 engagierte Besucher bei der ersten Info-Veranstaltung zum Radverkehrskonzept, ständig jede Menge Zweiradbetrieb auf der Nordbahntrasse – was will uns das sagen?

Ganz einfach: Den alten Spruch: "In Wuppertal fährt doch sowieso keiner Rad" sollten wir langsam zu den Akten legen. Hier fahren nämlich inzwischen jede Menge Menschen Rad. Und es wären noch viel mehr, wenn die Infrastruktur besser wäre.

Wie sich Angebot und Nachfrage beim Thema Mobilität bedingen, hat der Bau der Nordbahntrasse eindrucksvoll bewiesen. Karfreitag habe ich hier (bei ungemütlichem Wetter) jede Menge Radfahrer zwischen Loh und Bergischem Plateau gesehen. Was bei gutem Wetter hier los ist, weiß jeder. Viele der Trassenradler haben vor ein paar Jahren garantiert noch gar kein Rad besessen. Und immer mehr von ihnen sind mit E-Bikes unterwegs, die die bergische Topographie zur Nebensache machen. Garantiert würden sie ihren Radius auch auf Bereiche weit jenseits der Trassen erweitern und das Rad nicht nur in der Freizeit, sondern auch im Alltag einsetzen, wenn es ein entsprechend ausgebautes Streckennetz gäbe. 

Vor dem Abenteuer, sich beispielsweise von der "Radautobahn" Nordbahntrasse einen Weg in die Innenstadt zu bahnen oder die B7 entlang zu fahren, schreckt aber die Mehrzahl der neuen Gelegenheitsradfahrer zurück. Aus gutem Grund, denn die existierenden Verbindungen sind an vielen Stellen nur etwas für nervenstarke Hardcore-Radler, die auch Schulter an Radkappe mit 30-Tonnern keine weichen Knie kriegen.

Es ist gut, dass die Politik das erkannt hat und "Wuppertal als Fahrradstadt" zu einem der Schlüsselprojekte im Rahmen ihrer Strategie "Wuppertal 2025" gemacht hat. Funktionieren wird das aber nur, wenn der Mut da ist, ähnliche Fahrradschneisen in die Stadt zu schlagen wie die Nordbahntrasse eine ist. Deren Abzweig-Ausbau in Richtung Langerfeld ist ein Schritt in die richtige Richtung. Der nächste wäre ein zentraler und sicherer Radweg entlang der Talachse, der nicht umsonst ganz oben auf der Wunschliste der Rad-Öffentlichkeit steht. Aber auch der hat nur dann wirklich Sinn, wenn es auch entsprechend gut ausgestattete Verbindungen auf die Höhen gibt. 

Von denen ist in Form der Verlängerung der Sambatrasse Richtung Elberfelder Innenstadt immerhin eine schon konkret in der Planung. Ich wünsche allen Beteiligten viel Kreativität, damit weitere Verbindungen dazukommen und möglichst viele Gelegenheits- zu Immer-öfter-Radfahrern werden. Dazu gehört dann auch, die Debatte über Umweltspuren, die Radfahrer und Busse gemeinsam nutzen, weiter zu führen.

Mit den Pedalen haben die Menschen längst über die Fahrradstadt Wuppertal abgestimmt. Und bis wir die wirklich haben, könnten Autofahrer ja schon mal aufhören, ständig Radwege zuzuparken. Das wäre auch ein Anfang...

 
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