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Immobilien-Rundschau
Maklerkosten – der neue politische Streit um das Honorar

Immobilien-Rundschau: Maklerkosten – der neue politische Streit um das Honorar
Frank Müller gehört mit seinem Büro „fmi“ zu den größten Maklern in Wuppertal. Er stützt sich auf mehr als 25 Jahre Erfahrung am lokalen Markt und verfügt über mehrere nationale und internationale Qualifikationen in der Immobilienwirtschaft. FOTO: fmi
Wuppertal. Immobilien kaufen, besitzen und verkaufen - das ist auch in Wuppertal ein Thema mit vielen Fragezeichen. Führende Marktexperten erklären in der Rundschau, was Anbieter und Interessenten wissen sollten. Heute: Frank Müller zu den NRW-Plänen, Maklerprovisionen nur noch vom Verkäufer zahlen zu lassen.

Erneut ist Streit darüber entbrannt, wer künftig die Maklerkosten zu tragen hat. Nach dem inzwischen endlich geklärt ist, dass bei Vermietungen nur noch der Vermieter zahlungspflichtig ist, entzündet sich jetzt der Streit bei Immobilienkäufen und -verkäufen.

Voranzustellen ist, dass es keine bundeseinheitliche Regelung zum Maklerhonorar gibt. In München, Berlin und Hamburg zum Beispiel wird das Maklerhonorar nahezu ausschließlich von den Käufern gezahlt. In strukturschwachen Regionen zahlen meist die Verkäufer. In Nordrhein-Westfalen teilen sich Käufer und Verkäufer die Maklergebühren. Letztlich bestimmt also das Marktgeschehen über die Kostenverteilung.

Die Grünen und die Justizministerin der SPD haben jetzt den "Käuferschutz" für sich entdeckt. Ihre Argumentation, die bewährte Praxis ändern zu wollen, begründen sie mit "steigenden Kaufnebenkosten" für die Haus- und Wohnungskäufer. Offensichtlich sind beträchtliche Erinnerungslücken in der Politik vorhanden. In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel hat die Landesregierung innerhalb von 20 Jahren die Grunderwerbsteuer um 225 Prozent auf nunmehr 6,5 Prozent erhöht. Das ist mehr als eine Verdreifachung; allein der Erhöhungsbetrag entspricht ziemlich genau der Höhe der Käuferprovision. Die Notargebühren und Gebühren der Grundbuchämter haben sich ebenfalls mit Hilfe des Gesetzgebers nach oben entwickelt. Die Makler jetzt als "Kostentreiber" zu identifizieren und zu diskreditieren ist nicht redlich – man könnte auch sagen verlogen.

Gute Makler nehmen – wenn die Provision zwischen den Parteien geteilt wird – eine Mittlerrolle ein und versuchen, einen fairen Interessenausgleich zwischen Käufer und Verkäufer herzustellen. Sollte der Makler künftig ausschließlich vom Verkäufer bezahlt werden, wird dieser natürlich vorrangig die Verkäuferinteressen durchsetzen müssen. Den Käufern dürfte damit ein Bärendienst erwiesen werden.

Die Verkäufer werden das Maklerhonorar im Kaufpreis "verstecken". Auf die Kaufpreiserhöhung fallen dann zusätzlich höhere Kaufnebenkosten (Notar- und Gerichtskosten, Grunderwerbsteuer) an. Mit der "politischen Verantwortung" für die Käufer scheint es die Politik ohnehin nicht sehr ernst zu nehmen. Der von den Branchenverbänden geforderte Sachkundenachweis für Immobilienmakler wurde leider von der Politik nicht beschlossen. Dieser hätte einen echten Mehrwert für die Verbraucher gehabt – auf Kosten der Makler.

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