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Mit der Kamera ins Gelenk

Impressionen Unfallchirurgie & Orthopädie
Impressionen Unfallchirurgie & Orthopädie FOTO: Martina Chardin
Der Körper des Menschen besteht aus knapp 360 Gelenken. Darunter fallen die sogenannten "echten" Gelenke, von denen der Mensch 100 besitzt. Sie zeichnen sich durch einen sogenannten Gelenkpartner bzw. zwei oder mehrere Skelettteile aus.

Die restlichen Gelenkverbindungen, die sogenannten "unechten" Gelenke bestehen aus Bändern, Sehnen oder durch Knorpel verbundene Strukturen. Verletzungen können jedoch alle diese mehr oder minder beweglichen Gelenkverbindungen erleiden und dann gilt es sie zu erkennen und möglichst schonend zu behandeln.Eine Methode ist dabei die Arthroskopie, also die Spiegelung des Gelenkes.

Wir haben mit Privat-Dozent Dr. med. Ole Ackermann, Oberarzt im Evangelischen Krankenhaus in Mettmann, über diese Methode gesprochen.

Herr Dr. Ackermann, Sie führen im EVK Mettmann die beschriebenen Gelenkspiegelungen durch. Wann wird so eine Spiegelung denn eigentlich notwendig?

Grundsätzlich werden diese minimal-invasiven Eingriffe entweder bei Sportverletzungen wie beispielsweise einem Meniskus- oder Bänderriss durchgeführt oder sie kommen bei typischen Verschleißerscheinungen zum Einsatz.  Grundsätzlich ist das Verfahren aber bei sehr vielen Gelenkbeschwerden eine therapeutische Option. Klarheit darüber bekommen wir vorab über die MRT-Bilder. Dann sehen wir wo im Gelenk ein Schaden ist und entscheiden über den Behandlungsweg.

Das heißt, Ihre Patienten kommen in jedem Alter zur Gelenkspiegelung?

Genau, wir betrachten immer das biologische Alter unserer Patienten. Also wie fit und aktiv sie eben  sind. Bei den jüngeren Patienten steht die Arthroskopie des Kniegelenkes  am häufigsten an, hier sind meist Unfall- oder Sportverletzungen ursächlich und es ist immens wichtig, dass das Gelenk, die kaputten Bänder oder der Knorpel repariert wird, um möglichst keine gravierenden Einschränkungen zu späterer Zeit zu haben. Betroffen sind auch Sportler, bei denen die Belastungen des betroffenen Gelenkes und das Verletzungsrisiko kontinuierlich hoch sind. Bei den älteren Patienten steht die Arthroskopie der Schulter ganz oben auf der Liste der am häufigsten durchgeführten Eingriffe. Hier sind meist Verschleißerscheinungen oder auch Kalkablagerungen der Grund für die Schmerzen und Bewegungsbeeinträchtigungen.

Sie spiegeln also das Knie- und Schultergelenk?

Wir arthroskopieren im EVK Mettmann bis auf die Hüfte alle großen Gelenke. Das Knie- und Schultergelenk, aber auch das Ellenbogengelenk und die kleinere Gelenke wie das Sprunggelenk. Allerdings sind mit 200 Kniearthroskopien und mehr als 80 Schulterarthroskopien pro Jahr diese beiden Gelenkarthroskopien quasi an der Tagesordnung.

Gelenke sind ja mitunter sehr komplexe Strukturen – hängt davon auch die OP-Dauer ab?

zum einen hängt die Dauer der OP tatsächlich von der Komplexität des Gelenkes ab, viel mehr aber vom diagnostizierten Schaden. Sofern beispielsweise nur der Meniskus genäht oder ein Teil des Meniskus entfernt werden muss, ist dieser Eingriff binnen von 15 min mittels zwei kleiner Eingriffslöcher behoben. Ein Bandersatz, beispielsweise bei einem Kreuzband- oder Bänderriss erfordert natürlich viel handwerkliches Geschick des Chirurgen und eine sehr  detailreiche Vorgehensweise, die im Verhältnis zu anderen Gelenkspiegelungen kompliziert ist. In dem Fall kann so eine Schlüsselloch-OP auch zwischen 45 und 60 Minuten andauern.

 

Sie sagten eingangs, dass eine Arthroskopie eine minimal-invasive OP ist. Was bedeutet das?

Minimal-invasive  Operationen, auch Schlüsselloch-OP's genannt, sind jene chirurgischen Eingriffe, die mittels kleinster Hautschnitte erfolgen. Durch diese wird dann eine Kamera, die das Innere des Gelenkes auf einen hochauflösenden Bildschirm überträgt, eingebracht. Durch den zweiten und wenn notwendig auch dritten Hautschnitt wird das benötigte OP-Instrumentarium eingeführt. Mit dem notwendigen Geschick, das natürlich etwas Übung braucht, wird dann mit Blick auf den Monitor operiert.

Übung meint?

Übung meint ganz einfach, dass man – wie in jedem Bereich - natürlich mit jeder durchgeführten  Arthroskopie Erfahrungen sammelt. Insbesondere weil man den Blick auf den Monitor richtet und zeitgleich im Gelenk operiert. Das ist schon etwas anderes, als ein geöffnet Gelenk, in das man während des Eingriffs direkt hineinschaut und auch seine Hände im Blickfeld hat.

Ich kann mittlerweile auf mehr als 2500 Arthroskopien zurückblicken und auch meine Kollegen beherrschen die Eingriffe aus dem Effeff ; Und dann werden auch diese Eingriffe, die ein besonderes handwerkliches Geschick erfordern, zur Routine.

Warum ist man denn in der Medizin bereits in ganz vielen Bereichen weg vom großen Schnitt, hin zu den Schlüsselloch-OP's?

Der Vorteil ist aber ganz klar: kleinere Hautschnitte, kleinere Narben, weniger postoperative Schmerzen und Komplikationen und im Ergebnis eine schnellere Genesung. Zudem werden die Arthroskopien meist sogar ambulant durchgeführt, so dass der Patient noch am selben Tag nach Hause entlassen wird.  Natürlich folgt auch im Falle einer Arthroskopie eine physiotherapeutische Anschlussbehandlung und auch wenn der Wundschmerz gering ist – der Wunden im Gelenk brauchen Zeit, um auszuheilen. Aber auch in dieser Zeit nach der OP betreuen wir natürlich unsere Patienten, damit sie schnellstmöglich beschwerdefrei sind.

 

Herr Dr. Ackermann, vielen Dank für das interessante Gespräch!

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